CITADELLE "NO MISTAKE" OLD TOM GIN

VON MAGISCHEM ELIXIR & KATZEN

Die Sonne scheint. Draußen ist es gleißend hell und es ist kaum ein Wunder, dass sich nahezu niemand auf den Straßen blicken lässt. Das Thermometer korrigiert sich stündlich selbst nach oben, der alte Deckenventilator leistet Schwerstarbeit und man kann kaum etwas anderes tun als Drinkschlürfend im Sessel zu verweilen und sich auszuruhen. In der Hand ein Drink mit viel Eis, Limette und allem was erfrischt – dazu eine Lösung aus braunem Zucker.

Diese kulinarische Entdeckung brachte auch Charles Dickens im Jahr 1836 zum Staunen. Er lobte die kreativen Einfälle der Londoner Bartender – auch wenn diese damals sicher nicht so hießen -, traditionellen „Genever“ mit Zucker zu versüßen und spannende, neu interpretierte Drinks damit zu kredenzen.

Einige Hundert Jahre später lässt sich Master Destiller Alexandre Gabriel genau davon inspirieren. Er arbeitet in der französischen Region Cognac auf der Domäne Logis d’Angeac, für die Marke Cognac-Ferrand. Vor allem bekannt für den hochwertigen Weinbrand aus dieser – namensgebenden – Region für die lokal destillierten Erzeugnisse, kreiert das kreative Mastermind diesmal einen Old Tom Gin. Dieser trägt den ausschweifenden Namen: „ Citadelle No Mistake Old Tom Gin“.

DIE GARDEROBE

Schon äußerlich sehr verzaubernd wirkt die Verpackung. In einer optisch alt erscheinenden Pappverpackung wird der Gin versteckt. Auf der Vorderseite ist zunächst der bereits im oberen Textverlauf genannte, vollständige Produktname zu lesen.

Wie gewohnt ziert ein Quadrat mit gezackten, Briefmarken ähnlich wirkenden Kanten den größten Part der Verpackung. In hellem rot, was sich gut von der leicht verblassten Schachtel abhebt, ist in großen Lettern „Citadelle Gin“ zu lesen. Ebenso findet man die Information, dass das Produkt aus Frankreich stammt und wo genau es herkommt. Feine Verschnörkelungen zieren in silbern-weißer Farbe das Etikett.

Auf der Seite versteckt sich eine schwarze Katze mit Zylinder, umgeben von einigen Stücken Papier mit Notizen des Master Destillateurs und dessen Inspiration.

Die Flasche selbst entfernt sich vom klassischen Flaschendesign der Citadelle-Reihe. Sie ist deutlich kleiner und ist einer alten Apothekerflasche nachempfunden. Der kleine Körper wird von einem kurzen Flaschenhals und einer breiten Lippe abgerundet, ehe die Flasche mit einem schwarz lackierten Korken verschlossen wird. Die Optik des Karton wiederholt sich in ähnlicher Art und Weise auf dem Flaschenetikett.

DIE INNEREN WERTE

Ursprünglich war der Citadelle „No Mistake“ Old Tom Gin als 1. Edition einer Sonderserie namens „Extrêmes“ limitiert ins Sortiment eingebracht. Aufgrund der hohen Nachfrage der Erstauflage 2016 wurde der Gin ins permanente Warenspektrum von Citadelle aufgenommen – „No Mistake“, würde ich meinen.

Den Grundstein des Geschmacks legt ein Gin-Destillat aus 22 Botanicals. Neben Wacholder,  Kardamom, Wermut, Orangenschale, Fenchel und Kreuzkümmel, kommen auch Anis, Cassiarinde, Muskatnuss, Iriswurzel,  Zitronenschale, Koriander, Veilchen, Mandel, Paradieskörner, Kubebenpfeffer, Angelikawurzel, Zimt, Süßholz, Kornblume, Bohnenkraut und japanische Yuzu dazu. Nach der Ferrand-eignen „progressiven Infusionsmethode“ wird jedes dieser Botanicals einzeln in neutralen Weizenalkohol eingelegt und mazeriert. Je nach Zutat vergehen 24 bis 72 Stunden ehe der Destillationsvorgang fortgeführt wird.

Das Gin-Destillat wird anschließend im Eichenfass gelagert mit einer Lösung aus braunem Zucker – genannt „aged sugar“ – vermählt. Diese Lösung entsteht aus „Demerara“. Dies ist ein karibischer Vollrohrzucker mit einem intensiven Geschmack. Zunächst wird der Zucker in  einem Kupferkessel karamellisiert, verdünnt und mit Alkohol vermengt. Danach ruht er für 3 – 4 Monate in Fässern ehe er mit dem Destillat vermählt wird.

Genuss & Drink

Die Neugierig steht bei dieser traditionellen Ginsorte im Vordergrund – deshalb unbedingt mal pur genießen. Eine interessante und ungewöhnliche Kombination aus dem charakteristisch-dominanten Wacholder, welcher sofort von der Süße des „aged sugar“ umgeben wird.

Fügt man dem Destillat etwas Kälte in Form von Eiswürfel zu, wird die Süße etwas gedämpft. Natürlich funktioniert der Gin auch als exzellenter Mixing-Kompagnon. Das traditionelle Geschmacksprofil öffnet bei den Cocktail-Klassikern wie dem „Tom Collins“ oder „Martini“ bzw. dem „Negroni“, eine neue Geschmacksvielfalt.

Der Drink

Der „Tom Collins“ ist ein Klassiker unter den Gin-Cocktails. Er basiert auf der Art eines „Sour“, wird allerdings mit Sodawasser gestreckt. Aus diesem Grund spricht man von einem Longdrink. Wichtig dabei ist die Wahl des Glases. Für einen Longdrink empfiehlt sich ein hohes Glas, damit neben Eis und den anderen Zutaten auch noch Platz für den Filler – in diesem Fall das Soda – bleibt. Ratsam ist ein Mindestfassungsvermögen von 220ml.

Zu Beginn gießt du 5 cl deines Gins, zusammen mit 3 cl Zitronensaft und 2 cl Zuckersirup über Eiswürfel, verrührst alles mit einem Barlöffel. Anschließend füllst du dein Glas mit Sodawasser auf. Optional kann eine Garnitur ans Glas oder mit in den Drink gegeben werden.

DIE PHANTASTISCHE SZENERIE

Rauchschwaden umwandern das Licht des hell scheinenden Mondes. Er hat fast seinen vollen Umfang erreicht. Die dunkle Wolkendecke ist für ihn kein Hindernis. Das Licht fällt auf ein kleines Häuschen. Der spitze Giebel des Daches reckt sich hoch in den nächtlichen Himmel. Die Silhouette des alten Gebäudes wird verziert von Efeuranken. In einem Kessel blubbert fröhlich ein Gebräu vor sich hin.

Die Bewohnerin des Hauses kennt kaum jemand. Die Leute in des Hafenstädtchens wissen nicht wer hier lebt. Niemand sie je gesehen. Nur der Schein des Feuers – egal ob im Freien, unter dem Kessel oder im Kamin – sendet ein Lebenszeichen. Nur durch die Erzählung eines alten Herren wissen die Dorfbewohner von einer Zeremonie, welche sich hier alljährlich zuträgt.

In der letzten, vom Vollmond durchschienenen Sommernacht leuchtet das Feuer unter dem Kessel hell. Zu dieser Zeit braut die Hexenmeisterin ein süßes Elixier, was sie gut durch den Winter kommen lässt. Eine geheime Zutat aus den warmen Regionen der Erde vermengt sie mit heimischen Kräutern. Lila und giftgrün züngeln die Flammen den stählernen Kessel hinauf.

Um sie vor unliebsamen Blicken zu schützen, umgeben große Hecken ihr Haus. In eben diesen versteckte sich der alte Herr als kleiner Junge und beobachte diesen Vorgang. Normalerweise wandelt die Dame flink ihre Person, wenn sich Menschen während des Rituals nähern. Blitzschnell wird sie von ihrer damenhaften Gestalt zu einer schwarzen Katze mit wuscheligem Fell. Bei Kinderaugen funktioniert dies jedoch nicht. Sie sehen, was wirklich da ist. Und so erblickte der Alte, was bisher allen verborgen blieb. Er konnte die Realität erblicken. Wie die Hexe mit spitzem Hut um ihren Trank tänzelte, Blatt um Blatt mit verschiedenen Elixieren ergänzte. Und wie sie aus einem kleinen Fläschlein die wärmende Substanz aus den warmen Landen hinzufügte.

In einem unbeobachteten Moment gelang es ihm, das Fläschlein zu schnappen, etwas zu entnehmen und es blitzschnell wieder auf das kleine Tischlein neben dem Kessel zu platzieren.

Jahre später fand der mittlerweile zum Mann herangewachsene Junge einen Braumeister in Frankreich, der dieses Elixir nachbrauen konnte. Fortan versorgte es den Alten Winter für Winter und nun auch mich.

Cheers, Gentleman!

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit, Gentleman!

xx Toni